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Podcast „Selfie mit alles“ #1: Eunique – Wie viele Dick Pics bekommst du am Tag?

(Dieser Artikel erschien am 1. August 2018 auf NOIZZ.de)

Vielleicht sitzt ja gerade gar nicht Eunique vor mir, sondern Qidinah Eunique Cudjo, wie die Hamburger Rapperin mit bürgerlichem Namen heißt. In ihren Musikvideos kommt sie extrem laut und angriffslustig rüber, zeigt ihrem Publikum das Kinn und unterstreicht ihr künstlerisches Amazonentum durch „Hände hoch!“-Lyrics und Militäranleihen. Schon dass sie sich die Cobra zum Wappentier gewählt hat, zeigt, wie giftig sie sein will. Und selbst in ihrer eigenen YouTube-Reality-Show „Becoming Eunique“ wirkt sie immer stark, selbst beim Verzweifeln.

In echt, also jetzt, in diesem Augenblick, in dem ich mit ihr über ein schwieriges Thema spreche, nämlich darüber, wie es ist, als schwarzes Kind in Deutschland aufzuwachsen, wirkt sie sanft und beinahe zerbrechlich. „Irgendwie fällt es mir immer voll schwer, über Rassismus zu reden“, sagt sie, und ich schaff es nicht, nachzubohren. Was außerdem anders ist als auf YouTube und Instagram: ihre Körpergröße. Ich hatte sie viel größer in Erinnerung. Aber sie war mir bisher ja nur auf Bildschirmen entgegengetreten.

Eunique und ich sitzen in der NOIZZ-Redaktion und zeichnen die erste Folge meines neuen Podcasts „Selfie mit alles“ auf. Wir haben noch nicht alle Technik zusammen und sind ein wenig behelfsmäßig unterwegs. Ich bin nervös und schäme mich dafür, weil ich mir denke: Was denkt sie bloß? Über mich? Die Situation? Ob sie mich für einen Anfänger hält? Ob sie sieht, dass ich mal wieder zum Barbier muss?

Genau diese beiden Punkte sind der Grund, warum ich meinen Podcast starte – und ihn „Selfie mit alles“ nenne. Erstens finde ich es immer spannend, wie Menschen, die ich nur aus der Ferne kenne, in Wirklichkeit sind. Sind sie genauso laut oder leise oder genau so groß oder klein? Sind sie schön oder hässlich, charmant oder eklig? Es ist der gute, alte Reality-Check – so wie wenn man im Geschäft Dinge anfasst, um sich zu vergewissern, dass ihre Oberfläche genau so glatt ist, wie sie scheint.

Zweitens mag ich das (Selbst-)Experiment: Was passiert, wenn ich auf einen Menschen treffe, der um ein Vielfaches bekannter ist als ich? Und was passiert währenddessen mit ihm? Bleibt das Ungleichgewicht bestehen? Verhalten wir uns komisch? Oder fallen all die Unterschiede – Geld, Schönheit, Macht, Intelligenz – plötzlich weg, und wir sind im Augenblick des Selfies einfach nur zwei ganz normale Menschen?

Ich bin sicher nicht der Deutsche mit der größten Selfie-Sammlung, aber ich besitze schon eine ganz schön große. Man kann sagen, dass ich über Jahre Selfie-süchtig war. Und immer hab ich mir gedacht: Diesen Reality-Check, dieses (Selbst-)Experiment, müsste ich eigentlich mal erweitern. Ein Selfie mit einem kurzen Gespräch. Einfach mal schauen, wie der, wie die so ist. Das fragen mich nach einem Selfie nämlich alle: Und? Wie ist der, wie ist die so? Und heimlich schaue ich dabei auch mir zu und frage mich selbst: Und? wie bist du so, wenn der, wenn die so ist?

Wo du „Selfie mit alles“ hören kannst

Aber bevor’s zu philosophisch wird: Ich werde das jetzt regelmäßig machen: Im NOIZZ-Podcast „Selfie mit alles“ werde ich einmal im Monat jemanden treffen, den ich noch in meiner Selfie-Sammlung brauche – Macher, Künstler, Influencer –, und mit ihm über das Leben sprechen – im Hier und Jetzt und auf Instagram.

„Selfie mit alles“ gibt’s ab jetzt bei Spotify und iTunes sowie auf Soundcloud und YouTube. Und natürlich ist „Selfie mit alles“ auch bei Instagram, Facebook und Twitter. Dort findest du Hintergrund-Infos zu den vergangenen und bevorstehenden Folgen und kannst mir sagen, wen ich als nächstes treffen soll.

Bis dahin: Bleib scharf!

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