Tim Wieses erster Wrestling-Kampf

Blitzlichtgewitter, Strobo-Wahnsinn, Hiphop-Beats. Gangsta-Rapper Kollegah stellt den Soundtrack für Tim Wieses Wrestling-Debüt: “Ich fickte die Szene und war jung und stürmisch; heute bin ich King und jeder redet mit mir unterwürfig!”

Und dann tritt Wiese aus dem Tunnel. Der Ex-Super-Torwart, Ex-Elfer-Killer. Tritt heraus, als wär’s ein Champions-League-Finale. Reißt die Arme in die Luft und grinst. In der einen Hand hält er einen DFB-Pokal aus Plastik, in der anderen ein Silbernes Lorbeerblatt aus Blech.

Das Publikum jolt, pfeift und klatscht – als hätte Wiese gegen Messi pariert. 15.000 sind gekommen. Die SAP-Arena ist ausverkauft.

Wiese genießt die Aufmerksamkeit. Er trägt ein eng anliegendes, rosafarbenes Ringertrikot, darüber eine schwarze Lederjacke. In seinen Ohren stecken große Brillanten, auf seiner Nase sitzt eine weiße Sonnenbrille. Die Haare sind öliger als je zuvor, die Kotletten dünner, die Solarstudio-Bräune dunkler.

Im Publikum: Wiese-Fans in grünem Werder-Trikot, Wiese-Hasser mit Plakaten in der Hand (“Fleischwurst? Nein, Danke!”, “Die Mucki-Schande von der Weser”), Wrestling-Fans mit Hulk-Hogan-T-Shirts, Promis wie Verona Pooth und Axel Schulz.

Lange hatte man gerätselt: Wie wird wohl Wieses Kampfname sein? Pink Panzer? Timperator? Testo Tim? Wham Wham Wiese? Nein. Das wäre alles zu wenig. Zu klein. Der 1,93-Hüne mag’s groß. Deshalb nennt er sich jetzt The German Riese.

“Riese! Riese!”, rufen die Fans. Oder doch “Wiese! Wiese!”? Man hört es nicht genau.

Riese-Wiese schleppt sich zum Ring. Er wiegt mittlerweile 130 Kilo. Selbst sein Gesicht ist reine Muskelmasse. Links und rechts klatscht er Fans ab wie im Stadion. Ein Typ im FCK-Trikot zeigt ihm den Effenberg.

Im Ring wartet Wieses Gegner: Matthias Ilgen. Der SPD-Abgeordnete war damals schon mal Wrestler. Kampfname: “Freiherr”. 1,89 Meter, 103 Kilo. Erfahrung: Über 300 Profi-Kämpfe. Für diesen Abend kehrt er einmalig in den Ring zurück. Ein Jahr lang hat er für den Kampf trainiert. Tagsüber Parlament, am Abend Kampfsport-Gym. Er trägt die sportliche Version eines Nadelstreifenanzugs. Auf das Spandex-Oberteil ist ein roter Schlips gedruckt.

Wiese guckt böse, spuckt fußballerisch auf den Boden. Ilgen ignoriert ihn, wischt sich imaginären Staub von den Schultern.

Im Fernseher überschlägt sich Béla Réthys Stimme. “Hier vibriert es vor Spannung!”, sagt der Moderator. “Von seiner DNA her war Wiese ja schon immer eher ein Ringer!”

Dann gibt Pierluigi Collina den Kampf frei.

“The German Riese” hechtet auf den “Freiherrn” zu, versucht, den SPD-Mann mit einer Vorwärtsrolle wegzukegeln. Aber der passt auf, überspringt das rosarote Muskelknäuel. Wiese steht sofort auf und trommelt sich auf die Brust. Das Publikum quittiert die King-Kong-Geste mit lautem Jubel. “Riese! Riese!” Und: “Mach die rote Socke fertig!”

Wiese hat einen Moment nicht aufgepasst. Und schon kommt Ilgen angeflogen und fährt seinen Arm zur Clothesline aus. Volltreffer! Der Weser-Riese kracht auf die Matte.

Wiese verzieht die Anabolika-Miene, windet sich wie ein Schwalbenkönig. Ilgen hat sich einen Stuhl geschnappt, zielt damit auf Wieses Kopf. Aber der Ex-Keeper zeigt Reflexe wie beim Elfmeter, fängt den Stuhl ab wie ein Kreisligaschüsschen! Ilgen staunt, macht große Augen. Wiese steht auf, macht wieder den King-Kong – als gehörte zu den Bremer Stadtmusikanten ein Gorilla im schrillen Torwarttrikot. Dann wirft er seine 130 Kilo in die Seile, lässt sich abprallen, springt Ilgen an. Beidbeinig! Dropkick! Nein: Tim-Kick! Ein Kung-Fu-Tritt wie 2008 gegen Olić!

Ilgen taumelt, ist benommen. Und Wiese? Kündigt seinen Finishing Move an: den Ultimate Penalty Kill Jump!

Er fährt sich durchs Öl-Haar, stellt sich auf wie beim Elfer, hampelt herum, springt plötzlich zu Seite und faustet Ilgen beidhändig ins Koma. Ilgen fällt um wie das Tor in Madrid. Wiese dreht sich mühsam auf ihn, Schiri Collina klopft dreimal auf die Matte, die Glocke läutet, The German Riese hat gewonnen.

“Siehst du, Neuer: So macht man das!”, brüllt Wiese wütend in die Kamera. Dann macht er noch mal die King-Kong-Geste.

“Riese! Riese!”

Ist Wrestling Tim Wieses neue Chance? Jedenfalls hat er endlich mal wieder gewonnen. So wie zuletzt bei einem anderen Showkampf: dem Abschiedsspiel für Kugelblitz Ailton.

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