Ein WM-Moment: USA gegen Deutschland

Fußballgucken im Wohnzimmer von Freunden. Sie schwanger, er glücklich. Ersteres hat vielleicht dazu geführt, dass meine Lieblingsgastgeber WM-Chips von Pringles gekauft haben. „Pringoooals“ steht mit Anspielung auf niemals enden wollenden Torjubel auf den Kartoffelscheibendosen. Die Sonderausgaben tragen die Jahreszahlen der deutschen WM-Siege: ’54, ’74, ’90. Klingt wie die Maße eines seltsam proportionierten Schland-Girls. Eine Sorte trägt die Zahl ’14 und eine brasilianische Flagge. Flavour: anscheinend „Chilli Samba“. Tatsächlicher Geschmack: Hering im Pelzmantel.

Eine Dose bleibt die ganze Zeit über verschlossen: die ’74er Edition mit deutscher Nationalflagge und Ketchup-Mayo-Flavour. Nach dem Chilli-Samba-Debakel fürchten wir das nächste Geschmacks-Cordoba.

Ein Freund schreibt mir eine SMS: „Langweiligstes Spiel ever.“ Das Gähnen von Recife. Irgendwas muss passieren – zumindest, hier, bei uns, im Wohnzimmer. Meine Gastgeber schauen auf die Ketchup-Mayo-Pringels, ich schaue auf die Ketchup-Mayo-Pringels, und dann, ungelogen!, es ist die 74-ste Minute, greife ich zur „Pringoooals“-Büchse der Pandora, öffne sie, greife hinein und schiebe mir einen ’74-er Chip in den Mund.

Zuerst: Action! Explosion! Endlich was los, hier! Dann: Ernüchterung. Ekel. Schluck Bier zum Runterspülen. Schaler Nachgeschmack. Und die Erkenntnis, dass nur eine Pringles-Sorte wirklich glücklich macht: „Original.“

(Erstveröffentlichung: Von Darwin, Aluminium-Deo und Ketchup-Mayo-Pringles: Das Spiel Deutschland-USA aus fudder-Sicht)

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