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Kommentar: Warum Chefs den Knigge auf der Weihnachtsfeier ignorieren sollten

Der britische Knigge “Debrett’s” hat jetzt Regeln für die Weihnachtsfeier im Büro aufgestellt. Unter anderem warnt er davor, über den Durst zu trinken und rät dazu, am nächsten Tag auf jeden Fall im Büro zu erscheinen – egal in welchem Zustand. Chefs tun allerdings gut daran, solche Regeln zu ignorieren. Sie verpassen sonst drei Möglichkeiten, das Klima in ihrem Betrieb zu verbessern.

Erstens stimmt nämlich die Redensart, dass im Wein die Wahrheit liegt. Auf einer Weihnachtsfeier kann daraus folgen, dass ein Angestellter dem Chef sagt, was er von ihm hält. Egal, was dabei rauskommt: Jetzt ist der Chef im Bilde. Zweitens trägt Champagnerseligkeit dazu bei, dass die Angestellten auch untereinander offener sind – über Hierarchien und Abteilungen hinweg. Der Buchhalter gesteht der Azubine seine Zuneigung, der Praktikant lässt die Sekretärin wissen, wie doof er sie findet. Der Chef sieht, wo’s funktioniert und merkt sich, wo’s knirscht. Hier kann er im neuen Jahr einhaken. Drittens ist es für manche Angestellte tatsächlich besser, am Tag nach der Feier zuhause zu bleiben. Der Chef wird sehen: Den Rest der Woche werden die Schwänzer wieder im Büro sitzen und umso motivierter arbeiten.

Dieselbe Gelassenheit sollte der Chef übrigens auch anderen halboffiziellen Angelegenheiten entgegenbringen – zum Beispiel Sozialen Netzwerken. Wer jemanden wegen eines Facebook-Kommentars feuert, verpasst die Chance, den Konflikt zu lösen. Und wirkt zudem unsouverän.

[Entstanden im Rahmen des Workshops „Kommentar und Glosse“ bei Peter Linden an der ABZV in Bonn; Foto: kightp]

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