Requiem for the Cool: Sinn ist in

Cool sein ist nicht mehr in. Das hat SPON-Autor Tobias Becker festgestellt.

Purismus ist nicht mehr in. Sich selbst bewusst Schaden zuzufügen. Sex, Drugs, Rocknroll. Ironie ist nicht mehr in. Sich nicht festzulegen, postmodern zwischen verschiedenen Wahrheiten herumzuwabern. Bis 35 keinen Job zu haben und sich nicht binden zu wollen.

Was hingegen in ist: Zielstrebig sein B.A.- oder M.A.-Studium durchzuziehen, ohne dabei nach Links oder Rechts zu schauen. Ohne dabei einen einjährigen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Ohne grundsätzlich unter der Woche zu feiern, bis in den Nachmittag hinein zu schlafen und Vorlesungen nur dann zu besuchen, wenn sie abends angesetzt sind.

In ist, mit spätestens 23 einen 9to5-Job zu haben. Einen festen Partner, den man so schnell wie möglich heiratet, denn: Die Ehe ist wieder super-in. Dann: Kinder in die Welt setzen. Gleichzeitig: Bauen. Man sagt nicht: Ein Haus bauen, man sagt: Bauen. Und zwar immer in der ersten Person plural: Wir bauen.

Vernünftig zu sein. Abstinent zu sein. Höchstens mal ein Feierabend-Bier, einen Genießer-Wein oder einen Höflichkeits-Sekt zu trinken. Aber nie über den Durst. Und rauchen sowieso nicht. Rauchen ist ganz out, weil es ja keinen Sinn macht und nur Krebs hervorruft.

Sinn ist in – es steckt schon im Wort selbst drinnen. Alles muss sinnvoll, muss nachhaltig sein. Wenn überhaupt, dann Hybrid-Auto. Toyota oder so was. Einkaufen auf dem Bio-Markt oder zumindest im Alnatura. Vegetarisch oder gar vegan essen. Klamotten tragen, die nicht in Sweat-Shops gefertigt worden sind, die möglichst funktional und praktisch sind, nicht schön. Echtheit und Inhalte anstelle von (oberflächlicher) Schönheit. Verantwortung – für sich selbst, sein Umfeld und den gesamten Globus.

Tja, lieber Jean: ausgespielt. Du wirst lange warten müssen, bis du wieder in bist. Immerhin wirst du jetzt als Rebell und Rocknroller verstanden werden, wohingegen du früher  immer untergegangen bist, in der coolen Masse.

Adieu also, Wein, Weib und Gesang. Grüß Gott, Hybrid-Auto, Solar-Haus und Ehe-Frau.

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Ein Kommentar

  1. Stefanie
    Am 16/10/2012 um 11:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    freiburg!

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